Bela Brillowska, Filmstill, Julchen und die Geister, 2018
Veronika Gabel
Christine Aulbach, Ugly tourists I, 2013
JAJAJA
Mariola Brillowska, Performance, Nelke im Kaftan, 2018
Rudi Burr, Zeichnung, 1993

Linden. Straße. Berg

Künstler*innen aus St. Georg stellen in St. Georg aus, kuratiert von Mariola Brillowska

Vernissage:
Freitag, 17.05.2019 von 19-22 h mit Perfomance von JAJAJA um 20 h
Öffnungszeiten:
Sa. 18.05.19 von 18-23 h mit Performance von Mariola und Bela Brillowska um 19 h
So. 19.05.19 14-18 h sowie nach Vereinbarung
Finissage:
Fr. 24.05.19 18-21 h

Anlässlich des ART OFF Hamburg Wochenendes präsentiert der Verein nachtspeicher23 eine vielseitige Ausstellung mit Stadtteilbezug zu St. Georg.
2018 hat sich der nachtspeicher23 e.V. gemeinsam mit 20 weiteren Off-Orten der Stadt Hamburg zur Initiative ART OFF Hamburg - Initiative freie Kunstorte Hamburg zusammengeschlossen. Anliegen der Initiative ist es mehr Sichtbarkeit für die freien Kunstorte der Stadt Hamburg zu erzeugen und Besuchern die Vielfalt der OFF Galerien in Hamburg zu präsentieren. Im Rahmen der Langen Nacht der Museen werden die teilnehmenden Galerien parallel geöffnet haben und sich und ihr Programm vorstellen. Den Besuchern soll so noch einmal gezeigt werden welches große Spektrum der bildenden Kunst Hamburg bietet. St. Georg ist für uns ein bunter und lebhafter Stadtteil, in dem sich Menschen jeden Alters und jeder Herkunft begegnen können. Der nachtspeicher23 ist ein Raum, der barrierefrei und kostenlos ein Kunstangebot geschaffen hat, welches allen Interessierten offensteht und dadurch stets einen Beitrag zum kulturellen Geschehen im Viertel leistet.

Text von Mariola Brillowska: »Die Ausstellung „Linden. Strasse. Berg“ ist die erste Gruppenausstellung im nachtspeicher23, die ausschließlich Künstler*innen aus St. Georg in St. Georg zeigt.
Sie präsentieren Zeichnungen, Malerei, Collagen, Skulpturen, Videos und Performances im „nachtspeicher23 e.V.“, ansässig in Sankt Georg seit mehr als zehn Jahren. Die Galerie ist eine „Art Space Oase“ in einem Stadtteil, wo sich sonst eher weniger kommerzielle Galerien noch Kunstorte der Off-Szene ansiedeln. Kaum ein anderer Ort in Hamburg steht für Viele so sehr für Prostitution und Drogen, für Armut und Gewalt. Ein Stadtbild geprägt von Multikulturalismus, Maklerbüros, Frisören, Bäckern, Sexshops und Gemüseläden.
Künstler*innen wird das Leben dort nicht leicht gemacht. Sie werden von diesem Stadtteil mit zu hohen Mieten ferngehalten, gentrifiziert, abgewiesen. Obwohl sich dort das Schauspielhaus befindet, die Galerie der Gegenwart, die Kunsthalle, das Kunsthaus, der Kunstverein, das Museum für Kunst und Gewerbe und die Kunsthochschule sowie das Appartement der HAW für Visuelle Kommunikation, Mode, und Design zu Fuß erreichbar sind, zählt das Viertel nicht wie Sankt Pauli, Schanze oder Altona zu Hamburgs Künstlerquartieren. Stattdessen erzählen Touristenführer mit Vorliebe, dass der Rocker Udo Lindenberg im Hotel Atlantik Likörelle pinselt. Die Stadtteilbesichtigungen gehen am Art Space „nachtspeicher23“ vorbei. Doch in diesem vom Kunstbetrieb und der Politik ignorierten Viertel leben und arbeiten tatsächlich Künstler*innen.
Die Ausstellung „Linden. Strasse. Berg“ möchte diesen Fakt den Besuchern und Interessierten präsentieren und auf das große kreative Spektrum in St. Georg aufmerksam machen.«

Teilnehmende Künstler*innen:
Christine Aulbach (Malerei), Arvild J. Baud und Iris Minich (Performance), Bela Brillowska (Video), Mariola Brillowska (Malerei, Performance, Video), Rudi Burr (Zeichnungen), Veronika Gabel (Skulptur), Dirk Meinzer (Malerei, Perfomance), Anna Möller (Collagen).

ANNA MÖLLER

Anna Möller operiert in ihrer künstlerischen Arbeit mit Strategien des Entzugs von Sichtbarkeit, mit körperlichen Gesten und Verstellungen. Sie arbeitet für ihre Collagen mit einem digitalen Bildarchiv aus selbstfotografierten, abfotografierten oder gefundenen Bildern, die sie zunächst über formale Aspekte wie Linienführung, Gewichtung, Rhythmik zwischen Motiv und Leere verknüpft. Die Motive von Interieurs, Mode, Gebäuden, Natur oder Menschen ins Objekt- und Körperhafte entrückt sind insgesamt Darstellungen, die wirklichkeitsgesättigt, aber nicht konkret zu verorten sind. Sie sind inhaltlich ganz bewusst ausgewählt, entscheidend sind jedoch das Zusammenspiel und eine Bildlektüre, die insgesamt stärker ins Offene führt.
http://www.wcw-gallery.com/artists/moeller/moelle-d.htm

BELA BRILLOWSKA

Die erst 14-jährige Radio- und Filmemacherin gewann für ihren Debüt Film „Artist Talk“ bereist mehrere Preise. Ihr monatliches Radiomagazin „Bela im Flow“ wird seit 2016 auf tide.net gesendet. Sie wirkt als Darstellerin, Sprecherin, Sängerin, Komponistin und Künstlerin in den Filmen, Performances, Konzerten, Hörspielen und Ausstellungen ihrer Eltern mit. Sie ist fest entschlossen Filmregie zu studieren.
https://vimeopro.com/mariolabrillowska/belaimflow

Mariola Brillowska

Bildende, Medien- und Performancekünstlerin sowie Autorin, Regisseurin und Produzentin, ist geboren und aufgewachsen in Polen, emigrierte mit 20 Jahren nach Deutschland, wo sie an der HfbK Hamburg Freie Kunst studierte; 2005-13 war sie Kunstprofessorin an der HfG Offenbach/Main; Werke u.a. Roman „Hausverbot“ 2013; Gewinnerin diverser Film-, Poetry- und Hörspielpreise, u.a. ARD-Pin Ball Award 2014, BHF Kurzes Mikro 2017, MUVI - Publikumspreis Oberhausen 2017, Deutscher Kurzfilmpreis „Goldene Lola“ 2017; In der Vorauswahl der Nominierten zu Oscar-Shorts 2019; Hörspielpreis der Kritik „Adrienne“ 2019; Gewinnerin des Deutschen Filmkritiker Preises 2019.

RUDI BURR

Passionierter Bastler und aktiver Künstler ohne nennenswertes physisches Werk. Dipl. Nobeldesigner, Naval-Fiction-Fantast und Hobby-Nephrologe. Mag alte Dschunken. Seit 25 Jahren Bassist der Gruppe Helgoland ("Sly and Robbie of Rock"). Zeigt im Rahmen dieser Ausstellung Zeichnungen aus den frühen 90er Jahren.
http://www.helgoland.co.uk/

CHRISTINE AULBACH

Im Zentrum ihrer Malerei steht das Jetztleben. Der Alltag. Motive sind Stadtlandschaften, Gesichter, Typen, Zufälliges. Sie bedient sich der Fotografie, die die Grundlage fast aller ihrer Arbeiten bildet. Sie schlägt eine Brücke zwischen mehreren Techniken, tritt über in eine andere Welt des Sehens und der Darstellung. Die Arbeiten sind in Öl- und Acryl, Pastell und Aquarell, Bleistift oder Drucktechnik gefertigt. Seit 2006 stellt die Malerin in Deutschland, Griechenland und Österreich aus.
https://www.christineaulbach.com/

DIRK MEINZER

Darwins Entstehung der Arten wird als eine der drei großen Kränkungen der Menschheit gehandelt. Kopernikus und Freud sind die beiden anderen Bösewichte. Dirk Meinzer wagt sich weit in die Sinnlichkeit dieser Übergangssphären vor, in die des Unter- und des Aufgangs in ihnen, des Herüben und Hinüben, und in die sie begleitenden Empfindungen. Das geht nicht mehr mit Worten, sonst gäbe es diesen Diskurs nicht. Also wird hier von sogenannten Ouroboros - Bildern geredet.
http://www.vgs-art.com/dirk-meinzer/

JAJAJA - Arvild J. Baud & Iris Minich

Die Performance-Band "JAJAJA" wurde 2004 von der Schauspielerin und Performern Iris Minich und dem Musiker und Performer Arvild J. Baud, die sich im Deutschen Schauspielhaus Hamburg kennengelernt haben, gegründet. Nach mehreren gemeinsamen Engagements (u. a Schauspiel Hannover und Schauspielhaus Zürich) arbeiten sie an eigenen Projekten, auch in unterschiedlichen personellen Konstellationen (regelmäßig mit ihrem Sohn Oskar) auf Kampnagel Hamburg und in der Off-Kunst-Szene Hamburgs. JAJAJA oszilliert in den Bereichen Performance, Sound und Visual-Art.
http://jajaja.in/

VERONIKA GABEL

Als Material und Bildgeber für ihre installativen wie fotografischen Arbeiten verwendet die 1982 geborenen Künstler Veronika Gabel großflächige "Blätter" von Braunalgen: In einem feuchten Zustand erlaubt ihre Beschaffenheit eine variable Formbarkeit, die erst im Trockungsprozess zu einem teils zufallsgeleiteten Erstarren kommt. Aus den ehemals bewegten ledrig, bräunlichen Blättern formt die Künstlerin kleinere geometrische Formen, die zu aufwendigen architektonischen Konstruktionen vereint werden und mittels fotografischer Abbildungen in eine weitere Ebene transformiert werden können. Ihre bewusste Inszenierung verweist dabei auf Schatz- oder Wunderkammern als Ursprünge musealer Sammlungen und vereint mystische Aspekte mit Fragen von Repräsentation und Exklusivität.
http://veronikagabel.tumblr.com/