Der Raum: Galeriegeschichte

Der gemietete, ca. 30 qm große Galerieraum liegt im Erdgeschoss eines Hauses aus dem Jahr 1911, das Teil einer gut erhaltenen Altbauzeile in der Lindenstraße ist.

In der Vergangenheit wurde hier ein Ladengeschäft betrieben, unter anderem wurden Spirituosen und Lebensmittel verkauft, wovon auch noch Reste der eisernen Stäbe zur Sicherung der Fenster und der Verkaufstür zum Flur als Schutz vor Einbrechern zeugen. Im Laufe der Zeit wechselten Betreiber und Art der Waren, irgendwann gingen sogar Mobilfunktelefone über den Tresen, jedoch vermutlich nur mit mäßigem Erfolg. Nach längerem Leerstand erfolgte schließlich als Notlösung eine Nutzung als privater Atelier- und Ausstellungsraum.

Wir Gründungsmitglieder des Vereins, selbst Kunstschaffende, haben uns zu ersten Gesprächen im April 2008 zusammengefunden und im Sommer in Kooperation mit der den Raum nutzenden Künstlerin begonnen, das Projekt "Raum für Kunst in St. Georg" zu planen.

Es folgten Sondierungsgespräche bzgl. der Lage, des Raumes und innerhalb der Gruppe sowie Treffen mit dem im Haus ansässigen Vermieter. Ergebnis: Im Spätsommer 2008 wurde nach einer spannenden Findungsphase beschlossen, den nachtspeicher23 als gemeinnützigen Verein zu gründen und die Verwirklichung der Idee ernsthaft in Angriff zu nehmen. Im Oktober und November begannen dann die grundlegenden Renovierungsarbeiten mit viel Schweiß und in Eigenregie.

Wir fanden einen Raum vor, der uns den Atem der 80er Jahre entgegenhustete:
Rauhfaser in Weiß, tief hängende Neonlampen in Metallverkleidung und ein PVC- Boden, der sich wohl schon seit Langem vergeblich um Aufmerksamkeit bemüht hatte. Der Raum an sich versprach versteckten Charme, der darauf wartete freigelegt zu werden.

Also runter mit der Erfurter Uniform und ran an den Putz, nach ungefähr 200 Kittungen und mehreren Lasurschichten sah es schon eher nach freier Atmung einer alten Wand aus. Der Boden wurde in teils roher, teils akribischer Arbeit freigelegt und entpuppte sich als Pitchpine von guter Qualität, wenngleich mit deutlichen Werkspuren. Nach Schleifen, Ölen und Pflegeseifen konnte er nun endlich energisch betreten werden, um die restlichen Arbeiten in Angriff zu nehmen. Dank der Unterstützung durch den Vermieter konnte der Raum nach unseren Wünschen hergerichtet werden, inklusive wandelbarer Beleuchtungssituation mit dezenter Stromkabelverlegung, wunschgemäßer Außenwerbung, Projektionswand und wandelbarer Getränkebar.

Mittlerweile ist der Raum mehr "Vanilla Room" als "White Cube" und hat durch die verschiedenen Ausstellungen weitere Transformationen erlebt.